6 Köche 6 Winzer 2013: Kochkunst und Weinkultur verzauberte Berliner Gäste

Ein sonniger Freitagabend und volles Haus: Gut 80 Gäste waren der Einladung zum exklusiven Weinmenü „6 Köche 6 Winzer“ am 3. Mai in die Berliner Ministergärten gefolgt. Der Bundesverband Ökologischer Weinbau ECOVIN und Kunst & Kochen Berlin hatten in Kooperation mit der Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz zu diesem besonderen Menü eingeladen. Mit erfreulich guter Resonanz, nachhaltigem Erfolg und bei bester Laune. Es ist eine einfache Idee mit intensiver Geschmackswirkung und hohem Zufriedenheitsfaktor. Sechs Biowinzer aus sechs verschiedenen deutschen Weinbaugebieten treffen mit sechs Berliner Spitzenköchen zusammen, um daraus sechs leckere Menügänge für ihre Gäste zu zaubern. Um dabei zu sein hatten sich über 80 Gäste bei Initiator EVOVIN angemeldet und waren gespannt und bereit für geschmackliche Aha-Erlebnisse. Die Sonne ging allmählich unter, als die ersten Gäste eintrafen. Man begrüßte einander und genoss erst mal ein Glas Rieslingsekt – oder auch zwei – wahlweise vom Weingut Georg Forster von der Nahe oder vom Moselweingut Louis Klein. Dazu gab es „Häppchen“ von Bestecklos Fingerfood Berlin. Beides war ein echter Vorgeschmack darauf, was die Gäste im Laufe des Abends noch an Gaumengenüssen erwartete. Bald darauf saßen alle an den langen, eingedeckten Tafeln, mit Blick auf die Ministergärten und das Bundeskanzleramt. ECOVIN-Vorsitzende Lotte Pfeffer vom Weingut Brüder Dr. Becker sprach ein paar Worte der Begrüßung und hieß Gäste wie Winzer, Köche und Helfer herzlich willkommen. Mit mehr als 80 Gästen war der Veranstaltungssaal komplett gefüllt, jeder verfügbare Platz belegt. „Wir waren schnell ausgebucht und mussten weiteren Interessenten sogar absagen“, sagte Pfeffer. Als Hausherr von der Landesvertretung begrüßte Herr Tidow die Gäste und wünschte allen ein geselliges, sinnreiches Beisammensein. Das traditionelle Weinbauland Rheinland-Pfalz steht der Weinkultur – und mit Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken (B90/Grüne) im Besonderen der ökologischen – besonders nahe.

Rind aus Nordost, Wein aus Südwest Dann ging es los, der erste Gang und der erste Wein wurden serviert: Geräucherte Galloway-Rinderbrust mit gebeiztem Ei-Wacholder, zubereitet von Johannes Emken (organiced kitchen, Radial System Berlin). Dazu gab es einen brandneuen, trockenen 2012er Grauburgunder vom Weingut Brüder Dr. Becker aus Rheinhessen. Bei den Zutaten aller Menügänge wurde großer Wert auf regionale Bioprodukte gelegt. So stammte das Galloway-Rind vom brandenburgischen Landbauhof Sonja Moor, die selbst anwesend war und von der Wichtigkeit artgerechter Tierhaltung und schonender Schlachtung berichtete. Wer nicht dabei war, verpasste nicht nur gutes Essen und leckeren Wein. Zu den einzelnen Gängen gab es außerdem jeweils eine kleine „Infotainment-Einlage“. Rudolf Trossen, selbst Bio-Winzer aus Kinheim/Mosel, sorgte mit seiner authentischen Art zwischen den Menügängen für unterhaltsame und nachdenkliche Momente. In kenntnisreicher und zuweilen selbstironischer Manier stellte er die beteiligten Berliner Köche und angereisten Winzer einzeln vor und entlockte ihnen Näheres aus der Welt der Geschmacksveredelung. Selbstverständlich kamen auch Vegetarier mit alternativ zubereiteten fleischlosen, nicht weniger raffinierten Gerichten auf ihre Kosten. Der „zweite Streich“ im Menüplan war ohnehin voll und ganz nach ihrem Gusto, bestand er doch aus einer brandenburgischen Gemüsevariation „Kraut und Rüben“, die Max Haxel von Bestecklos Fingerfood Berlin zusammengestellt hatte. Dazu gab es einen Badischen Souvignier gris vom Hofgut Sonnenschein – eine passende Abrundung. Bei Gang Nummer drei hing bereits der Nachthimmel über der Hauptstadt. Spareribs vom Lamm (von der Schäferei Hullerbusch), Aubergine und Salz-Zitrone stand an bzw. lag auf dem Teller. Im dritten Glas Wein des Abends schimmerte ein 2011er St. Laurent des Weinguts Pflüger aus der Pfalz. Koch Martin Schaniger vom Berliner Restaurant Mani erklärte seine ganz eigene Zubereitung der Spareribs, die Mitarbeiterin vom Weingut Pflüger berichtete von der „Sonnenstraße Deutschlands“, von woher die Weine stammen. In der Tat glaubte man, jede Stunde Sonnenschein herauszuschmecken.

Von Fencheleis, Schweinsteigern und Rhabarber Bei sechs Menügängen darf natürlich Fisch nicht fehlen. Et voilá, Seeteufel mit Fencheleis und Korianderschaum wurde kredenzt. Hier sagten dann auch einige Vegetarier nicht nein. Und die allermeisten Gäste dürften zum ersten Mal in ihrem Leben Eis aus Fenchel verkostet haben. Der dazu servierte „Riesling von Kies“ von Georg Forsters Weingut an der Nahe, rundete die Geschmackseindrücke perfekt ab. Wiederum war es Koch Bernhard Thome des Mitveranstalters Kunst & Kochen Berlin, dem Moderator Rudi Trossen Wissenswertes über dessen Korianderschaum entlockte. Deftig ging’s weiter: Gang Nummer fünf wartete mit geschmorten Schweinebäckchen, Püree und Burgundersoße auf. Dazu ein Cabernet Dorsa vom Württembergischen Weingut Weinreuter. Zubereitet hatte dies Udo Lehmann, der als Chef de Cuisine der Landesvertretung Rheinland-Pfalz eine Art „Heimvorteil“ hatte. So mancher wünschte sich, öfter hier speisen zu dürfen. Die zarten Schweinebäckchen kamen vom nicht weit von Berlin liegenden „Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau“ Gut Hirschaue, wo die Märkischen Sattelschweine in ganzjähriger Außenhaltung leben. Rudi Trossen wollte es genauer wissen und befragte den anwesenden Hofbetreiber Henrik Staar. Dieser erzählte dem amüsierten Publikum, dass der für den Nachwuchs der Sattelschweine hauptverantwortliche Eber den sinnigen Namen Bastian trägt. Wer hierbei wiederum an Fußball spielende Schweine denkt, hat eindeutig eine blühende Fantasie. Auf zum letzten Gang, einem Dessert Süß-Sauer: Sauerrahm-Eis mit Variation vom Rhabarber, zubereitet von Sebastian Becker von Kunst & Kochen Berlin und Bestecklos Fingerfood. Selbst für Nachtischmuffel gab es kaum eine Ausrede, hierauf zu verzichten. Sicher auch wegen der Riesling Spätlese vom Mosel-Weingut Louis Klein, dessen Fruchtigkeit die süß-saure Balance geschmacklich ideal ausformulierte. 6 Gänge 4 Stunden Das Menü „6 Köche 6 Winzer“ dauerte etwas mehr als vier Stunden, die allerdings wie im Flug vergingen. In Zeiten, in denen es die Norm zu sein scheint, sich kaum mehr Zeit fürs Essen zu nehmen, ist dies besonders bemerkenswert. Viele verschiedenste Gaumenfreuden und diverse informativ-unterhaltsame Momente später stand jedoch für alle Beteiligten fest, dass sich Aufwand, Einsatz und Kommen gelohnt hatten. Die Gäste kamen in den Genuss besonderer Einblicke in spezielle Kochkünste und die Finessen der Ökologischen Weinkultur. Es wurde deutlich, dass dem sinnlichen Genuss immer eine durchdachte Arbeit auf dem Feld, im Weinberg und in der Küche vorausgeht.

Natürlich bleibt all das nicht ohne Wirkung. „Wann nimmt man sich schon mal die Zeit, so ausgiebig und in Ruhe Besonderes zu genießen?“, fragte einer der Berliner Gäste, um sofort folgerichtig zu ergänzen: „viel zu selten!“ Ein anderer sagte: „Auch wenn weder Kochen noch Weinbau Zauberei sind, so sind sie dennoch in der Lage, uns besonders zu verzaubern.“ Dies gelte insbesondere für ökologisch erzeugte, frisch verarbeitete Lebensmittel nicht nur an diesem Abend. Ein Gast brachte die Frage nach dem Ausblick auf den Punkt: „Ich bin nächstes Jahr gerne wieder dabei!“ Wer nicht...

Noch eine weitere ECOVIN-Veranstaltung machte am selben Wochenende die Bundeshauptstadt zur Bioweinmetropole. Am Sonntag nach dem Weinmenü fanden 35 Bioweingüter zur Weinverkostung „Stadt Land WEIN“ in der Berliner St.-Elisabeth-Kirche in Berlin-Mitte zusammen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Wir mögen Spam genauso wenig wie Pestizide. Deshalb bitten wir Sie dieses CAPTCHA zu lösen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.