61. Deutscher Weinbaukongress – Tagung Ökoweinbau

Text: Prof. Dr. Randolf Kauer, Hochschule Geisenheim

Zum 61. Deutschen Weinbaukongress hatten unter dem Titel: „Neue Herausforderungen im ökologischen Weinbau“ der Deutsche Weinbauverband und ECOVIN nach Stuttgart eingeladen. Unter der Schirmherrschaft der Landwirtschaftsministerien von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg informierten sich rund 90 Kongressteilnehmer über aktuelle Entwicklungen im Bioweinbau. In den vergangenen Jahren hat das Interesse am ökologischen Weinbau stark zugenommen. Aktuell beträgt die bio-zertifizierte Weinbaufläche in Deutschland mehr als 7000 Hektar. Der Bioweinbau-Kongress widmete sich traditionell so-wohl Fragen zu Anbau und Verarbeitung als auch zur Ökonomie und zur Vermarktung von Biowein. Höhepunkt der Tagung bildete die Verleihung des PIWI Interna-tional Weinpreises durch Weinbauministerin Ulrike Höfken aus Rheinland-Pfalz und Ministerialdirektor Wolfgang Reimer aus Baden Württemberg. Beide betonten die enormen Chancen, die durch den Anbau von PIWIs gegeben sind, insbesondere im Rebschutz bzw. der Reduktion von Kupfer. Die Qualität der PIWI Weine zeigte sich in der hohen Zahl von Weinen mit mehr als 90 Punkten, die innerhalb der PIWI International Weinver-kostung „Gold“ oder auch „Großes Gold“ erzielt hatten.

In logischer Folge widmete sich der Kongress züchterischen Aspekten innerhalb der Kreuzung von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten des JKI Geilweilerhof und anbautechnischen Erfahrungen – speziell beleuchtet am Beispiel von PIWIs, die in der Tschechischen Republik angebaut werden. Neben dem „klassi-schen“ ökologischen Weinbau steht zunehmend auch der bio-dynamische Weinbau im Focus der Weinbaubetriebe wie auch der weinbaulichen Forschung. Versuchsergebnisse der Universität Adelaide (Australien) und Deutschland (Hochschule Geisenheim) zeigen, dass die Biobewirtschaftung einen deutlich verringerten Wuchs, ein reduziertes Geiztriebwachstum und auch eine leicht reduzierte physiologische Aktivität zur Folgen hat. Dies äußert sich in reduzierten Traubenerträgen um 15 bis 20 Prozent. Ein entscheidender Faktor zur Beurteilung der Bewirtschaftungssysteme ist die Qualität der Weine. Aus den laufenden Forschungen wurde deutlich, dass mit den üblichen analytischen Methoden hierzu noch keine eindeutige, abschließende Aussage getroffen werden kann. Neue Wege zur Qualitätsdifferenzierung zeigte Dr. Jürgen Fritz vom Institut für organischen Landbau der Universität Bonn durch Bild schaffender Methoden zur Qualitätsdifferenzierung bei Traubensaft und Wein. Ein aktuelles BÖLN Projekt zur Kupferminimierung am WBI Freiburg belegte eindrucksvoll wie durch neuartige Verfahren der Kupferformulierung der Cu-Aufwand zukünftig drastisch gesenkt werden könnte. Auch das Problem der Zwischenstockpflege ohne Herbizide im Steilhang wurde thematisiert. Untersuchungen am DLR Mosel zu Raupenmechanisierungssystemen und mechanischen Lösungen zeigten Wege auf, auch im Steilhang erfolgreich ökologisch wirtschaften zu können, auch ohne Herbizide. Die aktuelle Rechtslage zur Bioweinbereitung und deren Umsetzung bildete einen weiteren Schwerpunkt der Tagung. Es wurde deutlich, dass Regelungen und Einschränkungen in der Kellerwirtschaft die Bioweinbau Branche in den kommenden Jahren vermehrt beschäftigen und die Betriebe vor neue Herausforderung innerhalb der Verfahrenstechnik und der Verfügbarkeit ökologisch zertifizierter Behandlungsstoffe stellen wird. Die Diskussion zur Nachhaltigkeit in der Weinbranche hat auch im ökologischen Weinbau zu verstärktem Nachdenken geführt. Gedanken und Zahlen zur ökonomischen Situation der Bioweinbaubetriebe, vorgestellt von Dr. Matthias Mend von der Hochschule Geisenheim, belegten, dass die Biobetriebe in Deutschland auch ökonomisch nachhaltig sind und für die zukünftigen Herausforderungen gut aufgestellt.

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