B.Ö.L.W. Fünf Forderungen zur Ernährungswende: Den Weg beschreiten zu 100 Prozent Bio

Allen Menschen über Generationen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, stellt Zivilgesellschaften, Politik und Wirtschaft vor gewaltige Herausforderungen. Die Agrar- und Ernährungswirtschaft spielen hierbei eine zentrale Rolle. Die Landwirtschaft muss Nahrungsmittel in ausreichender Menge und guter Qualität produzieren. Gleichzeitig müssen Landwirtschaft, Verarbeitung und der Handel nachhaltiger wirtschaften, um unsere natürlichen Ressourcen zu schützen und langfristig verfügbar zu machen. Deutschland muss auch in der Ernährungswirtschaft Innovationsführer für eine nachhaltige Entwicklung weltweit werden. Deshalb brauchen wir eine Ernährungswende.

Die ökologische Lebensmittelwirtschaft zeigt bereits heute, wie diese Herausforderungen gemeistert werden können. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) fasst in seinen fünf Forderungen zusammen, welche Maßnahmen für eine Weiterentwicklung des Ernährungssystems ergriffen werden müssen – auf dem notwendigen Weg hin zu 100 Prozent Bio.

1. Wir fordern eine Orientierung an der Kreislaufwirtschaft.

Systeme sind dann besonders nachhaltig, wenn sie in möglichst geschlossenen Kreisläufen arbeiten. Der Schlüssel für einen nachhaltigen Umgang mit begrenzten Ressourcen ist deshalb die Kreislaufwirtschaft.
- Konsequente Internalisierung externer Kosten für echte Preise: Kosten, die durch die Nutzung von öffentlichen Gütern wie Wasser, Boden, Luft oder Artenvielfalt entstehen sowie produktionsbedingte Umwelt- und gesellschaftliche Kosten werden konsequent den Verursachern zugeordnet.
- Nachhaltige Produktionssysteme werden durch eine Abgabe auf Stickstoff und Pestizide sowie importiertes Eiweiß besser gestellt. Die Umlagen werden zur Förderung ökologischer Anbausysteme eingesetzt.
- Böden werden nur noch versiegelt, wenn gleichzeitig Flächen entsiegelt werden.

2. Wir fordern einen Umbau zur öko-sozialen Marktwirtschaft.

Ziel unseres Wirtschaftens ist die Verbesserung unserer Lebensqualität. Dazu benötigen wir Rahmenbedingungen, die innovatives Wirtschaften mit sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verantwortung verbinden.
- Bilanzierungssysteme für Umweltleistungen von Unternehmen werden obligatorisch und die Ergebnisse werden steuerlich berücksichtigt.
- Das gesellschaftliche Wohlergehen wird nicht mehr allein durch das BIP gemessen, sondern entweder durch soziale, ökologische und kulturelle Indikatoren ergänzt oder durch eine andere Messgröße wie dem Nationalen Wohlfahrts-Indikator (NWI) ersetzt.

3. Wir fordern die Umsetzung eines nachhaltigen Ernährungsstils.

Wie nachhaltig unser Ernährungssystem ist, wird wesentlich durch den individuellen Ernährungsstil und unseren Umgang mit Lebensmitteln beeinflusst. Die Steigerung der Ernährungskompetenz und der Wertschätzung für Lebensmittel sind hierbei von zentraler Bedeutung.
- Die Fächer Ernährungslehre, Kochen und Hauswirtschaft werden obligatorisch in allen allgemeinbildenden Schulen eingeführt – die Lehrinhalte werden an einem nachhaltigen Ernährungsstil ausgerichtet.
- Alle öffentlichen Kantinen werden auf ökologische Kost umgestellt und als Vorbild für Kantinen in privater Hand dienen.
- Das Zusatzstoffrecht und die Kennzeichnungsvorgaben werden mit dem Ziel überarbeitet, dass Verbraucherinnen und Verbraucher nicht getäuscht und die Verwendung von Zusatzstoffen minimiert werden.

4. Wir fordern die Umstellung auf artgerechte Tierhaltungssysteme.

Die ökologische Tierhaltung respektiert in hohem Maß die arteigenen Bedürfnisse der Tiere. Ein vorbeugender Gesundheitsschutz, ein ausreichendes Platzangebot, der Zugang zu natürlichem Licht, Auslauf sowie Einstreu sind die Voraussetzungen für eine leistungsfähige Nutztierhaltung, die auch den Verbraucherinnen und Verbrauchern vermittelbar ist.
- Die Investitionszuschüsse für Stallneu- und Umbauten werden bundesweit nur noch für artgerechte Tierhaltungssysteme gewährt.
- Im Tierschutzrecht werden die Vorgaben für eine artgerechte Nutztierhaltung verankert. Diese Vorgaben orientieren sich an den Tierhaltungsstandard des Bio-Rechts (EG VO 834/2007).
- Die Forschung zur Züchtung von robusten Rassen für alle Nutztierarten wird forciert.

5. Wir fordern die Umsetzung des Rechts auf Nahrung weltweit.

Die ländliche Entwicklung ist für die Umsetzung des Rechts auf Nahrung von zentraler Bedeutung. Vorrangig ist dabei die Entwicklung einer regional angepassten, kleinbäuerlichen und ökologischen Kreislaufwirtschaft, um die Ernährungssouveränität eines jeden Landes zu ermöglichen.
- Der Börsenhandel mit Nahrungsmitteln wird streng reguliert.
- Innerhalb der WTO-Handelsregeln wird ein Sonderstatus für die Landwirtschaft eingeführt.

von
Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft
Marienstr. 19-20, 10117 Berlin
Tel. 030.28482300 Fax 030.28482309
info@boelw.de www.boelw.de

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