ECOVIN.Jungwinzertagung 2019 – Gemeinschaft kultivieren – Der Betrieb als sozialer Organismus.

Oppenheim, 11.03.2019. 50 begeisterte Jungwinzerinnen und Jungwinzer auf der 5. ECOVIN.Jungwinzertagung. Jungwinzertagung im Jugendhaus auf Schloss Ortenberg in Baden-Württemberg ein voller Erfolg.

Insgesamt 50 junge WinzerInnen kamen zur 5. Jungwinzertagung vom 22.02. – 24.02.2019 in Baden zusammen. Die Tagung stand unter dem Motto Gemeinschaft kultivieren  ̶  Der Betrieb als sozialer Organismus. Die Teilnehmenden stellten sich diesem spannenden und gleichzeitig hochaktuellen Thema mit großem Einsatz und Engagement. Inspiriert wurde die Tagung durch zahlreiche Beiträge erstklassiger ReferentInnen aus der Weinbranche und der Wirtschaft, neuen Diskussionsformaten und natürlich ganz zentral von vielfältigen und zahlreichen Weinen. Zudem gab es viel Raum und Zeit zum gegenseitigen Austausch und Netzwerken unter den Teilnehmenden und Referierenden.

Die ECOVIN.Jungwinzertagung ist für und von JungwinzerInnen entwickelt. Die ehrenamtlich arbeitende Vorbereitungsgruppe wählte in diesem Jahr das Motto Gemeinschaft kultivieren  ̶  Der Betrieb als sozialer Organismus.

Am Freitag näherten sich die TeilnehmerInnen der Frage: Wie lässt sich Führung im Betrieb so gestalten, dass alle MitarbeiterInnen gemeinschaftlich in Entscheidungsprozesse involviert werden können? Daniel Pauw (Institut für Sozialorganik / Alanus Hochschule Bonn) bot in seinem Vortrag eine Möglichkeit, sich diesem Thema aus ungewohnter Perspektive zu nähern.

Es zeigte sich, dass dort, wo Führung nicht mehr nur hierarchisch „von oben“ ausgeht, sondern dezentral nach dem „Kreisverkehr-Prinzip“ organisiert wird, eine bessere Kommunikation und Selbstorganisation im Betrieb umsetzen lässt.

Der Samstag war mehreren Workshops sowie Gruppen- und Reflexionsübungen gewidmet, in denen die TeilnehmerInnen einen individuellen Zugang zu den Fachthemen finden konnten. Dr. Daniel Sieben (Triodos Bank / Frankfurt am Main) berichtete auf beeindruckende Weise, wie eine Umstellung von Eigennutz zu Gemeinwohl gelingen kann und wie wichtig soziale und ökologische Aspekte in der Wirtschaft sind. Thomas Wagner (Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production GmbH / Wuppertal) verdeutlichte, welche betrieblichen Maßnahmen konkret zu ergreifen sind, um Geschäftsmodelle nachhaltiger zu gestalten.

Einen gelungenen Abschluss des Tages bildete die Weinprobe am Abend zum Thema Gemischter Satz, das wiederum das Gemeinschaftsthema aus weinbaulicher Perspektive aufgriff. Ausgewählt wurden gemischte Sätze aus Franken, Südtirol, dem Rheingau und vom Kaiserstuhl. Moderiert wurde die Weinprobe von Kellermeister Johannes Brückner vom Staatsweingut Meersburg. Die Weine aus historischen und klassischen Rebsorten wie etwa Elbling, Kleinberger, Muskateller, Weißer Heunisch, Traminer, Gutedel, Silvaner und Riesling wurden in vergleichbaren Flights, sortiert nach Jahrgang und Region, verkostet. Die anschließende Party sorgte bei gemischter musikalischer Begleitung für ausgelassene Stimmung unter den Teilnehmenden.

Am Sonntag wurden in mehreren Kurzvorträgen hochkarätiger ReferentInnen aus der Weinbranche verschiedene Konzepte und Finanzierungsmodelle vorgestellt und lebhaft diskutiert. Uwe Greff (BioBoden Genossenschaft eG / Bochum) zeigte so etwa anhand des Modells einer Schwarmfinanzierung am Beispiel der BioBoden Genossenschaft, wie durch gemeinschaftliches Kapital mehr Flächen für den ökologischen Landbau bereitgestellt werden können und somit jungen LandwirtInnen die Möglichkeit zu nachhaltigem Land-Wirtschaften gewährleistet werden kann. Auch Dr. Patrick Staub (Geschäftsführender Vorstand BERGSTRÄSSER WINZER eG) stellte in seinem Vortrag „Genossenschaft Reloaded“ anschaulich dar, dass der Genossenschaftsgedanke keineswegs veraltet ist und sich mehr erreichen lässt, wenn viele für ein gemeinsames Ziel brennen. Der biodynamisch arbeitende Winzer Ronald Linder (Weingut Winzerhof Linder / Demeter & ECOVIN) berichtete in seinem Vortrag insbesondere über das Finanzierungsmodell der Weinpatenschaft. Kunden können in Kooperation mit dem Winzer eigene Weinberge bewirtschaften und in einem gemeinschaftlich genutzten Keller ausbauen und lagern. In der abschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich, dass verschiedene Konzepte und Ansätze bereits erfolgreich praktiziert werden und vor allem jungen Winzerinnen und Winzern vielfältige Chancen und Möglichkeiten bieten um nachhaltig, ökologisch und sozial zu wirtschaften. Gemeinschaft kann kultiviert werden: durch das Engagement des Einzelnen im Betrieb, aber auch durch Zusammenschluss, Kooperation und Partizipation um gemeinschaftliche Ziele zu erreichen.

Das Fazit der 5. ECOVIN.Jungwinzertagung ist in jeder Hinsicht positiv. Es war ein inspirierendes Wochenende mit inhaltlich bereichernden Beiträgen, intensivem Austausch und Weingenuss! Die ECOVIN.Jungwinzertagung hat sich für die jungen WinzerInnen als gefragte Institution etabliert. Eine Fortsetzung 2020 steht außer Frage.

Die Vorbereitungsgruppe der ECOVIN.Jungwinzertagung wurde unterstützt durch die Sponsoren: Biofa, Braun, Deutscher Kork-Verband e.V., Erbslöh, ERO, Richard Wagner Kellereibedarf, Scharfenberger Maschinenbau, Moeschle Apparate- & Behälterbau, Klug Kellereibedarf und Vollherbst Etiketten.

 

Die Jungwinzertagung wurde gefördert vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft, BÖLN.

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